Symposium „Die Rosenburg“ eröffnet Arbeit der Wissenschaftlichen Kommission zum Umgang des Bundesjustizministeriums mit seiner NS-Vergangenheit
Professor Dr. Manfred Görtemaker (Universität Potsdam) und Professor Dr. Christoph Safferling (Universität Marburg) und zahlreiche prominente Kollegen nehmen eine Bestandsaufnahme der bisherigen Forschungen zur deutschen Justiz im Übergang vom „Dritten Reich“ zur Bundesrepublik Deutschland vor.
- Datum
- 26.04.2012
© BMJ
Dabei sollen bereits bekannte Ergebnisse über NS-belastete Juristen wie Eduard Dreher, Staatsanwalt an einem NS-Sondergericht und späterer Abteilungsleiter im Bundesjustizministerium oder Franz Maßfeller, Ministerialrat und früherer Kommentator der „Nürnberger Blutgesetze“, zusammengetragen und mit der bislang wenig erforschten Tätigkeit des Bundesministeriums der Justiz in den 1950er und 1960er Jahren in Bezug gesetzt werden.
Das Forschungsprojekt wird die Vergangenheit des BMJ an Hand des Personal- und Sachaktenbestands sowohl des BMJ als auch des Reichsjustizministeriums systematisch aufarbeiten.
Das Bundesministerium der Justiz hat sich schon früh mit seiner NS-Vergangenheit auseinandergesetzt. Die 1989 eröffnete Wanderausstellung „Im Namen des Deutschen Volkes – Justiz und Nationalsozialismus“ wird vom BMJ bis zum heutigen Tag gezeigt. Nun gilt es den eigenen Umgang mit diesem Erbe in der jungen Bundesrepublik zu erforschen. 1949 nahm das Bundesjustizministerium in der sogenannten Rosenburg seinen Amtssitz. Das bis 1973 genutzte Gebäude symbolisiert den Zeitraum, der von der Kommission erforscht wird und gab dem Projekt seinen Namen. Die Unabhängige Wissenschaftliche Kommission untersucht personelle wie sachliche Kontinuitäten ebenso, wie mögliche Brüche und Zäsuren. Als Ausgangspunkt dient der im Nürnberger Juristenprozess entwickelte Maßstab für Verhalten von Ministerialbeamten, Richtern und Staatsanwälten. Neun der 16 von einem alliierten Militärgericht u.a. wegen Verbrechen an der Menschlichkeit angeklagten Juristen stammten aus dem alten Reichsministerium der Justiz. Dennoch fanden sich unter den im Bundesjustizministerium neu eingestellten Mitarbeitern schnell wieder Juristen, die sich an den Verbrechen des Nationalsozialismus beteiligt hatten. Die Einstellung von Juristen in den Dienst des Bundesministeriums der Justiz, die in diesem Sinne als schwer belastet gelten mussten, stellt für sich genommen schon ein Problem dar. Wesentlich sind, aber auch die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Unrecht der NS-Justiz, die Strafverfolgung von NS-Tätern und die Bereinigung der Gesetze von nationalsozialistischer Ideologie.
Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger hat am 11. Januar 2012 den Marburger Strafrechtsprofessor und stellvertretenden Direktor des Forschungs- und Dokumentationszentrum Kriegsverbrecherprozesse Professor Dr. Christoph Safferling gemeinsam mit dem Potsdamer Zeithistoriker Professor Manfred Görtemaker zum Mitglied der Unabhängigen Wissenschaftlichen Kommission beim Bundesministerium der Justiz (BMJ) zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit bestellt.

