Medienschau zur Kritik an der Schufa
Die Auskunftei Schufa hat mit ihren Plänen für ein Forschungsprojekt zu Datenabfragen im Internet, insbesondere im Bereich der Sozialen Netzwerke, für heftige Kritik gesorgt. Eine Medienschau:
- Datum
- 08.06.2012
© Thinkstock/iStockphoto
„Kontrolle ist alles, Vertrauen nichts“, titelt das Handelsblatt und bezeichnet das Vorhaben der Schufa als „bohrendes Gebaren bis tief in die Intimsphäre“, das nur „absurd“ sei. Den Plänen der Schufa wird der gute, demokratische, verfassungstreue Geist abgesprochen.
Die Süddeutsche Zeitung sieht die Schufa, in Anlehnung an George Orwells Roman „1984“, in der Rolle des „Großen Bruders“, betont aber, dass seit Jahren Verbraucherschützer und Politiker darauf hinweisen, „dass es gefährlich sein kann, wenn man zu viel Persönliches im Internet preisgibt.“ Es sei allerdings „mehr als zweifelhaft“, ob aus Angaben bei Facebook und Co. überhaupt verlässliche Informationen über die Bonität der Betroffenen gezogen werden könnten. In einem weiteren Artikel heißt es, die Schufa hätte mit ihren Plänen „in dieser Woche […] allergrößtes Misstrauen gesät.“
Die Welt weist darauf hin, dass das, „was die Schufa gerade erforschen lässt, […] Unternehmen längst in der Praxis an[wenden],“ und ergänzt: „Dieselben Nutzer, die sich nun über die Schufa aufregen, vertrauten zuvor freizügig ihre intimsten Daten den […] sozialen Netzwerken an.“
Spiegel Online bezeichnet das Vorhaben der Schufa als „Datenschnüffelei“ und fasst die Reaktionen auf die öffentlich gewordenen Pläne mit den Schlagworten „verfassungswidrig, unzulässig, umstritten“ zusammen.
Die Financial Times Deutschland sieht den Chef der Schufa Michael Freytag angesichts der heftigen Kritik „im Auge des Shitstorms.“
Zeit Online bezeichnet die Pläne als „teilweise illegal“. Mit einer Bonitätsprüfung hätten diese in der Tiefe des Vorhabens nichts mehr zu tun. Ohnehin würden „die so gewonnenen Daten nur eine geringe Qualität aufweisen.“
Die Frankfurter Rundschau fast die Positionen einiger deutscher Politiker zusammen. Diese hätten insgesamt mit einer „Welle der Empörung“ auf die Pläne reagiert, während die Facebook-Gemeinde bisher eher gelassen bliebe und lediglich „gewohnt ironisch kommentiert.“
Tatsächlich löste die Debatte auf vor allem auf Facebook und Twitter eine Flut von ironischen Kommentaren aus: Twitternutzer Zeitweise etwa kennzeichnet sich in seinen Tweet als „kreditwürdig“ und ergänzt „dieses Zertifikat wurde elektronisch erstellt und ist auch als Retweet gültig.“ Udovetter tweetet: „Ich habe soeben meine Einkommenssteuervorauszahlung zum 10.6. pünktlich überwiesen. #Schufa-Schleimtweet“ und Gutjahr wurde wegen „zu wenige[r] Likes diese Woche“ von der Schufa „gerade auf AA herabgestuft.“

